Von Bruder Imad aus Aachen
Scheibenkleister, Ich habe den Bus verpasst. Es ist Samstag, 8:31Uhr. Der Bus sollte eigentlich erst in zwei Minuten kommen, aber natürlich kam er zu früh. Jetzt steh ich hier an der Bushaltestelle und meine Jungs müssen in der Moscheeabgeleitet vom arabischen "masdschid" (wörtlich: Ort der Niederwerfung); in erster Linie Ort des gemeinschaftlichen Gebets; darüber hinaus Nutzungsmöglichkeiten für soziale, kulturelle und erzieherische Funktionen auf mich warten. Es sei denn . . .
Wenn ich jetzt zur anderen Haltestelle laufe, erwische ich noch den Bus zur Bahnstation und kann von da dann zur Moschee fahren. Gesagt getan.
Trotz unhandlicher Ikea-Tasche (ihr kennt bestimmt diese blauen Dinger) und Einigem an Übergepäck bin ich noch erstaunlich schnell.
Und trotzdem verpasse ich wieder den Bus – das scheint System zu haben. Ein kurzer Blick auf den Fahrplan verrät mir, dass letzte Woche die Abfahrtszeiten geändert wurden.
Ok, komm ich halt zu spät, aber immerhin habe ich mein Bestes gegeben. Pflichtbewusst wie ich bin rufe ich die Jungs an und gebe bescheid.
Als ich um 09:13 an der Moschee ankomme, ist außer mir erst ein Bruder da. Typisch.
Nach ein paar Minuten sind wir dann aber doch vollzählig. Jetzt müssen wir uns nur noch mit dem Grill arrangieren, der gefühlte 60 Prozent des Autos einnimmt. Nach einem kurzen Kampf mit den Schrauben, Muttern und Stangen des rostigen Grills passen dann alle ins Auto rein. Ab geht’s nach Düsseldorf.
Nach etwa anderthalb Stunden sind wir dann in Düsseldorf angelangt. Auf dem Weg sind wir noch einigen Brüdern aus Dortmund begegnet, die uns den Weg zum Park weisen. Da heute Samstag, das Wetter einfach nur unglaublich ist und nebenan auch noch ein Flohmarkt stattfindet, ist der Parkplatz bereits proppenvoll. Schließlich ist aber ein Parkplatz gefunden, und wir gehen vollbepackt mit tollen Sachen, die das Leben schöner machen, hinein ins Wochenend-Gefühl.
Während die Grills aufgebaut werden strömen immer mehr Jugendliche in unsere Richtung. Als die Kohle entfacht wird, sind wir dann vollzählig. Ich zähle ganze 65 Mann – eine beachtliche Zahl! Da ich für das Grillen zuständig bin heißt es nun: Fächern, fächern, fächern! Im Wettkampf mit unserem anderen Grill versuche ich die Kohle so schnell wie möglich zu entfachen. Erster! Die Kohle ist schön heiß, und das Grillgut kann aufgelegt werden. Der Grill braucht mich erst in ein paar Minuten wieder, solange kann ich an der Vorstellungsrunde teilnehmen. Fast wäre mir etwas angebrannt, aber ich konnte es eben noch retten.
Da es sich hier um einen Brüder-Funday handelt, wollen natürlich alle Fußball spielen, weshalb wir – überaus vorausdenkend – zwei Tore mitgebracht haben. Es werden Mannschaften gebildet, das Turnier kann beginnen! Durst macht sich unter den Spielern breit, und da wir die Getränke vergessen haben, suchen wir schnellstens einen nahe gelegenen Supermarkt auf.
Nachdem wir aus dem mitgebrachten Hackfleisch Frikadellen geformt und sie auf den Grill gelegt haben, kommen die ersten und melden Hunger an. Während die einen diesen erfolgreich durch leckere Speisen wie Würstchen, Salat, Frikadellen, Brot und Soßen stillen können, spielen die anderen weiter. Meine Grill-Akkordarbeit hat dank eines hilfsbereiten Ablösers ein Ende, und da ich so sehr genascht habe, dass ich bereits relativ satt bin, tausche ich mich mit ein paar alten Bekannten und neu gewonnenen Freunden aus. Dann schlägt mein Griller-Herz doch höher, und mein Teller füllt sich mit leiblichen Wohltaten, die ich beherzt teile.
Während ich meine Teller aufesse, stürmt eine jubelnde Horde, auch bekannt als Sieger, auf unseren Grillplatz zu und freut sich, was das Zeug hält. Kurz vor Ende des Funday sieht man aber nicht nur den Turniersiegern, sondern allen die Freude an, die der heutige Tag ihnen bereitet hat. Auch mir hat der heutige Tag sehr gut gefallen, nicht nur, weil das Essen lecker war oder ich vielen alten und neuen Freunden begegnet bin, sondern vor allem, weil der heutige Tag eine schöne Abwechslung war, die meinen Kopf frei von Gedanken an die bevorstehenden Klausuren und auf mich wartende Herausforderungen gemacht hat. Als wir dann schließlich im Auto sitzen und uns gen Westen aufmachen, schlafe ich zufrieden ein und wache erst zufrieden auf, als mich die Stimmen meiner Freunde und Brüder sanft wecken.



